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 Robitronic Protos

 
 
 Teil 2: RTR-Ausstattung im Visier
 

Dem PROTOS stellt Robitronic ein umfangreiches RTR-Set zur Seite. Dieses beschränkt sich nicht nur auf Motor und RC-Komponenten, sondern inkludiert auch "verbrennertypisches" wie Glühkerzenstecker, Kerzen/Radmutternschlüssel und Tankflasche.
Kann die RTR-Ausstattung mit dem erfrischenden Chassisaufbau und Bauteilqualität des Protos mithalten? Wir werden sehen ...

 

 Axial .28 OEM Engine ...
 
... lautet die vollständige Bezeichnung des Triebwerks. Die OEM-Ausgabe ist identisch mit der im Handel erhältlichen Spec 1 Motorenserie bis auf folgende Punkte:
  • Laufbuchse (3 Kanäle statt 8)
  • Zylinderkopf (ist gleichzeitig Brennraumdeckel, die Spec 1 Serie besitzt eine geteilte Ausführung)
  • Vergaser (keine wechselbaren Venturi Einsätze)

Von einer "Sparpackung" wie sie leider im RTR-Bereich oftmals üblich ist, kann trotzdem keine Rede sein: Der 4,6ccm Motor ist absolut sauber verarbeitet.
Das Innere des Motors ist spiegelblank poliert, Pleuel und Kurbelwelle haben einen strömungsgünstigen Schliff erhalten. Überhaupt wirkt der Motor ganz und gar nicht wie jener aus einem

RTR-Set, sondern viel mehr wie ein Seilzugmotor der oberen Mittelklasse.
Lediglich Details, wie etwa ein plan geschliffener Kolben (anstelle eines Zündbettes) und die 3-Kanal Laufgarnitur hat er mit Motoren der unteren Preisklasse gemein.
Die Laufbuchse wird über einen winzig kleinen Stift (Bild links) im Motorblock ausgerichtet. Da der Stift weder geklebt, noch gepresst ist, ist beim Zerlegen des Motors Vorsicht geboten, damit er nicht verloren geht.

Kunststoff-Resorohre sind wahrscheinlich aus zwei Gründen verpönt:
  • Sie sind oft gar keine Resonanzrohre, sondern einfache Schalldämpfer.
  • Sie sind weder mechanisch noch thermisch den Anforderungen gewachsen.

Es geht aber auch anders, wie am Resorohr des PROTOS zu sehen ist: zwei Teile aus faserverstärktem Kunststoff bilden das Gehäuse, ein Aluminiumeinsatz dient als Reflektor. Vier Schrauben und ein O-Ring halten das Auspuffsystem dicht. Der 8mm Auslass ist durch Streben versteift, damit er bei Kollisionen nicht so leicht abbrechen kann.

Der Vergaser des Axial .28 ist eine Alu/Stahl/Messing/Kunststoff Komposit-Konstruktion. Der Kunststoffkörper stellt eine Wärmedämmung dar und verhindert, dass der Sprit am heißen Motor bereits in den Düseneinlässen zu kochen beginnt, wodurch der Motor vor allem mit dem Seilzug kaum mehr zu starten wäre. Der Vergaserhals ist aus Stabilitätsgründen aus Stahl gebaut. In den Seitenkörper aus Aluminium ist ein Messingeinsatz eingepresst, der die Gewinde trägt.
Der Vergaser bietet neben der Standgasschraube zum Einstellen der Leerlaufdrehzahl drei weitere Nadeln zur Gemischaufbereitung:

  • Hauptdüse (Spritdurchfluss unter Vollgas)
  • Leerlaufnadel (Spritdurchfluss bei Standgas)
  • Teillastnadel (Spritdurchfluss im unteren Gasdrittel)

Die Länge der Nadeln am Düsenstock (Leerlauf) und Drosselküken (Teillast) wurden dabei so gewählt, dass sie in der Werkseinstellung bündig mit dem Vergasergehäuse abschließen. Sollte eine Einstellung mal daneben gehen, kann sie recht einfach rückgängig gemacht werden, was den an sich komplexen Dreinadel-Vergaser sehr einsteigerfreundlich macht.
 

Der Vergaser ist sehr schön verarbeitet. Einstellungen an der Hauptdüsennadel können per Hand über die Rändelung oder über einen Schraubendreher bei aufgesetzter Karosserie vorgenommen werden.
Die Befestigung am Motor erfolgt über zwei Backen, die mit einer Schraube geklemmt werden. (rechts im Bild)
Darunter ein gerissener Dichtungsring vom Vergaserhals: Kriechspuren lassen darauf schließen, dass der Vergaser ein wenig zu ruppig montiert wurde.


Bei der Einstellung der Hauptdüse ist die Anleitung behilflich: neben der obligatorischen Empfehlung "zweieinhalb Umdrehungen von der geschlossenen Position" gibt sie auch recht konkret darüber Auskunft, mit welcher Temperatur der Motor laufen sollte. Zwischen 95°C und 135°C müssen es idealerweise sein, doch leider wird uns nicht verraten, an welcher Stelle des Motors diese Temperatur erreicht werden soll. (Es ist wohl die Kerzentemperatur oder jene der untersten Kühlrippen gemeint) Einlauf- Start- und Einstellungsprozedur werden sehr anschaulich und gut nachvollziehbar anhand mehrerer Zeichnungen illustriert.
 

Die meisten Seilzüge haben - vor allem an größeren Motoren - keine besonders hohe Lebenserwartung. Das ist offenbar auch Axial bekannt, und so haben sie wohl versucht, den Seilzug des .28 Spec1/OEM so solide wie möglich zu bauen: Neben einem ordentlich verschraubten Gehäuse wurde der Freilauf zur radialen Entlastung in das Kurbelwellengehäuse verfrachtet und in einem massiven Stahlteil eingepresst. Ein dicker und langer Gummischlauch dämpft den Rückschlag der Kurbelwelle beim Absterben. Das schont Freilauf und Starterschnur.

 

Den Kraftschluss zum Hauptzahnrad übernimmt eine Dreibackenkupplung in Verbindung mit einer kugelgelagerten 14Z Kupplungsglocke.
Das ergibt bei einer internen Untersetzung von 3,5:1 eine Gesamtuntersetzung von 11:1.
Obwohl es auf Wettbewerbsniveau bereits eine Vielfalt verschiedener Kupplungskonstruktionen gibt, so stellt eine Dreibackenkupplung (hier mit Carbonbacken) mit Tangentialfedern immer noch einen guten Kompromiss aus Standfestigkeit, Leistungsübertragung und Preis dar. Die Kupplungsfedern sind dem Drehzahlbereich des Bigblocks entsprechend sehr weich. (0.8mm Drahtstärke)
Die SG-Welle des Motors sorgt für ein hohes Maß an Kompatibilität, sollte der Motor einmal getauscht oder die Kupplung aufgerüstet werden.
Die Schwungscheibe gehört mit einem Durchmesser von 36mm zwar zur größeren Sorte, startboxtauglich wäre der Protos ohne Modifikationen leider trotzdem nur mit Startscheiben unter 7cm Durchmesser. Grund dafür ist der Serien-Motorhalter, der den Motor durch seine einteilige Konstruktion um 2mm höher trägt als es (bedingt durch den Seilzug) erforderlich wäre.

Bevor das Axial Triebwerk in Betrieb genommen wird, sollten zumindest noch folgende Checks durchgeführt werden:

  • Alle Schrauben am Motor (Zylinderkopf, Starter, Vergaserhals, Kupplung) gut festgezogen? (beim Testmodell: Schrauben am Startergehäuse und der Rückplatte teilweise locker)
  • Alle Schlauchverbindungen (Luftfilter, Reso) gut gesichert? (beim Testmodell: ok)
  • Glühkerze funktionsfähig? (beim Testmodell: ok Die Anleitung gibt lobenswerterweise sehr detaillierte Auskunft was das Erkennen defekter Glühkerzen anbelangt.)
  • Spritleitungen nirgends geknickt oder am Anschluss beschädigt? (beim Testmodell: ok)

Nach dem Betanken muss der Sprit irgendwie zum Motor befördert werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Wird der Reso-Auslauss zugehalten und der Motor ein paar Mal mit dem Seilzug durchgedreht, baut er im Tank einen Überdruck auf, der ihm den Sprit liefert. Eine (vor allem für die ersten Starts) schonende Variante stellt das "Aufblasen" des Tanks dar: dazu wird der Druckschlauch vom Tankdeckel abgezogen und stattdessen ein Schlauch angesteckt, über den sanft in den Tank geblasen wird, bis der Sprit den Vergaser hör- und sichtbar erreicht - nicht weiter, denn sonst säuft der Motor ab!
Der Axial .28 startet dann nach zwei bis drei Zügen - der Kerzenstecker sollte erst abgenommen werden, wenn der Motor einen stabilen Leerlauf erreicht, denn die Werkseinstellung ist selbst für die Einlaufphase sehr fett gewählt. Welche "Einlaufprozedur" danach folgt, ist für viele eine Glaubensfrage, für manche sogar Religion. Jene, welche die Anleitung vorschlägt (zwei Tanks Leerlauf, zwei Tanks maximal Halbgas fahrend) ist für einen Seilzug-Motor aber sicherlich adäquat.
Anschließend wird der Motor Stück für Stück auf Leistung bzw. Betriebstemperatur eingestellt. Mit Morgan Fuels Sidewinder 25% Treibstoff musste die Hauptdüsennadel dazu auf die vorgeschlagenen zweieinhalb Umdrehungen gestellt werden. Düsenstock und Drosselküken wurden um jeweils eine halbe Umdrehung magerer gestellt.

   

 RC-Ausrüstung
 

Ein RTR wäre ohne fertig verbaute RC-Anlage kein RTR - im Falle des PROTOS übernimmt eine 27MHz AM Drehknopfanlage den Job.
Die Fernsteuerung bietet die allerwichtigsten Funktionen

  • Servoreverse beider Kanäle
  • Feintrimmung (ohne Raste!) beider Kanäle
  • Endpunktbegrenzung für die Lenkung
Dazu gibt es farblich zum Frequenzkanal (1 bis 6, braun bis blau) passende Frequenzwimpel zum Aufklipsen auf die Antennenkappe.
 

Das Lenkservo trägt die Bezeichnung RC2CSS-2 und das Gas/Bremsservo heißt RC2CSS-1. Daraus könnte man vielleicht schließen, dass das Lenkservo wohl stärker ist als sein Kollege am Gaszug.
Eine Messung förderte allerdings die Wahrheit zutage: RC2CSS-2 und -1 sind quasi identisch, ihre Stellkraft liegt bei etwa 40 Ncm an 4 Zellen und 50 Ncm an 5 Zellen. Die maximale Haltekraft (gemessen bei 80% Ausschlag, Abweichung von mehr als 5° aus der Stellposition) liegt bei 60 Ncm bzw. 70 Ncm an 4 bzw. 5 Zellen.

Eine mechanische Überbeanspruchung ist nicht zu erwarten. Der Servosaver, der direkt am Lenkservo montiert wird, gibt ab etwa 50 Ncm, also unter der Haltekraft des Servos deutlich nach.

Die Sache hat nur einen Haken: an der Lenkung eines 1/8 Buggies sollten mindestens doppelt so große Stellkräfte am Werk sein. Nach einigen Offroad-Einsätzen dürften sich ohnehin bald Probleme bemerkbar machen: Kunststoffgetriebe und Gleitlagerung ohne Buchse direkt im Gehäuse vertragen sich nicht besonders gut mit der 1/8 Offroad-Welt. Das Lenkservo ist damit schlicht unterdimensioniert und als solches das mit Abstand schwächste Glied in der RTR-Kette.

Die Bremse ist mit einem 40/50 Ncm Servo für den Anfang sicherlich ausreichend bestückt, hier sollte auch das Kunststoffgetriebe klar kommen, wenngleich das Gasservo in einer ungleich "verantwortungsvolleren" Position sitzt.

 

 ... und das Zubehör?
 
Zur Komplettierung werden dem PROTOS noch Tankflasche, 4-fach Mutternschlüssel in zwei verschiedenen Größen, die obligatorischen Inbus-"L"-Schlüssel, eine Tube Fett, ein Glühkerzenstecker und eine Empfängerakkubox beigelegt. Die Sachen sind - von den Inbusschlüsseln (wie immer) abgesehen - von ausgezeichneter Qualität. Anstelle der Batteriebox sollte aus Gründen der Kontaktsicherheit aber auf jeden Fall ein verlötetes Akkupack zum Einsatz kommen!

Weiters werden noch 8 "AA" Mignon-Akkus für den Sender und eine (Sub-)C Zelle für den Kerzenstecker benötigt. Ladekabel für Glühkerzenstecker, Fernsteuerung und Empfängerakku müssen zugekauft werden. Sollte noch kein Lader vorhanden sein, so reicht für den Anfang etwa der günstige Robbe Lader 6.

 

 Checkpoint!
 

Die Beurteilung einer RTR-Zusatzausstattung ist immer eine Gratwanderung: Einerseits gilt es abzuwägen, was um den Preis des RTR-Modells an Ausstattung erwartet werden darf, andererseits muss natürlich eine Mindestausstattung berücksichtigt werden, mit der das Modell überhaupt noch sinnvoll betrieben werden kann.

Im RTR-Paket des PROTOS liegt das Highlight klar beim Motor: mit 4,6ccm zwar nicht rennlegal, aber die ausgezeichnete Verarbeitung und weitestgehende Problemlosigkeit machen den Motor zu einem erstklassigen Just-for-Fun Triebwerk.
Weit rudimentärer geht es dagegen in der RC-Abteilung zur Sache: Die AM-Fernsteuerung mit Lenkausschlagsbegrenzung stellt sicherlich das Minimum für einen sinnvollen langfristigen Betrieb dar. Für einen weniger langen Betrieb sind die Servos ausgelegt: Kunststoffgetriebe und Gleitlagerung ohne entsprechende Buchsen sind in der 1/8 Offroad-Realität zum Scheitern verurteilt. Das (sehr weiche) Doppel-Servosaver Setup vermag diesen Umstand zwar mechanisch zu kaschieren, unter der weichen Lenkung leidet jedoch das Fahrverhalten des PROTOS erheblich.

aaron banovics, August 2006